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Jesus,
der Heilbringer
Der Gedanke an den Untergang der Welt hat seine
Wurzeln nicht in mehr oder weniger realistischen
durch den Menschen erzeugten Risiken, sondern ist
von religiöser Natur. So entwickelte im Grunde fast
jede Religion ein ausgeprägtes Gedankenbild zum
Untergang der Welt, das – so zumindest im
Christentum, aber auch in den meisten anderen
Religionen – im engen Bezug zu Gott steht. Wie auch
in anderen theologischen Bereichen stehen die
christlichen Gedanken und Niederschriften teilweise
in engem Zusammenhang mit denen des Judentums, deren
gemeinsamer Grundgedanke die Apokalypse ist – ein
auch oft verwendetes Stichwort für Katastrophen- und
Weltuntergangsfilme. Diese Apokalypse steht im
Vordergrund der christlichen Theologie hinsichtlich
aller Untergangsszenarien und charakterisiert sich
im wesentlichen durch eine markante Eigenschaft: Die
Existenz der Welt und der Menschen wird als großer
„Sündenfall“ angesehen, deren Bereinigung durch die
Hand Gottes unwiederbringlich vorgesehen ist – und
zwar auf gründliche Art und Weise. Die Apokalypse,
im Christentum eine Reinigung von Sünde und Unheil,
führt zum unweigerlichen Ende der Welt, sie ist der
Endkampf und endet im Sieg Gottes. Dieser Endkampf
kann ohne Zweifel auch als kontrastierter Kampf
zwischen allem Guten und allem Bösen angesehen
werden, dem Kampf also zwischen Satan und Gott, den
Gott letztendlich gewinnt – verbunden mit dem Ende
der weltlichen Existenz; die totale Bereinigung
also. Die Apokalypse ist also nicht der Zeitpunkt,
in dem Unheil bereinigt wird und eine bessere Welt
entsteht – sondern der Zeitpunkt des Weltuntergangs,
der nach biblischer Deutung unweigerlich feststeht,
notwendig ist und zweifelsohne durch Gott vollzogen
wird. Die biblisch-jüdische Apokalypse zeichnet da
schon ein etwas weniger düsteres Bild: Die
Herabsendung von Gott zur Bereinigung der Welt führt
zum Sieg gegen alle widergöttlichen Mächte und gegen
die Sünde; endgültige Gerechtigkeit setzt sich
weltweit durch – und für die theologische Deutung
steht fest: Der Sieg ist unabwendbar und seit ewiger
Zeit vorherzusehen. Die Apokalyspe als solche kann
also so verstanden werden: Gott duldet das Unheil
der Welt bis zu einem von ihm festgelegtem Zeitpunkt
und setzt danach ein Ende.
Weltenretter Jesus Christus
Ungünstige Voraussetzungen also für den dauerhaften
Fortbestand der Welt, möchte man meinen – doch weit
gefehlt, denn hier kommt Jesus Christus ins Spiel,
der, zumindest im theologischen Sinne, Erlöser. Denn
der Endkampf, der Untergang und die Bereinigung von
aller Sünde – so sagt die Bibel – hat Jesus Christus
auf sich genommen an dem Tag, den wir heute
Karfreitag nennen. Jesu Kreuzigung stellt in der
Bibel die stellvertretende Übernahme des göttlichen
Endgerichts dar – er nimmt die Qualen der Sünde auf
sich, stirbt dafür und sorgt damit für die
Bereinigung, die sonst nur durch die totale
Apokalypse zu erreichen gewesen wäre. Bekannt ist
auch, was drei Tage nach seiner Kreuzigung
passierte: Jesu Christi Wiederauferstehung – und das
ist der Hauptbestandteil des tatsächlichen
Gegensatzes zur Apokalypse, der urchristlichen
Heilsbotschaft: Jesus Christus rettet die Welt. So
heißt es in 1. Korinther 15, 1-5:
1 Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das
ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es
ist der Grund, auf dem ihr steht. 2 Durch dieses
Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem
Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe.
Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt
angenommen? 3 Denn vor allem habe ich euch
überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus
ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag
auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5 und erschien
dem Kephas, dann den Zwölf.
Der Gedanke an die Apokalypse und endgültige
Welterlösung steht im Christentum nunmehr hinter der
Predigt von Jesu Opferung und Wiederauferstehung
zurück: Seine Übernahme des weltlichen Leidens ist,
so das Urchristentum, die Rettung und Bereinigung
der Menschen gewesen.
Dennoch nicht vom Tisch: Die Apokalypse nach
Jesus
Dennoch ist das Thema Weltuntergang und Apokalypse
für die Bibel und die christliche Theologie nicht
grundsätzlich vom Tisch. Die als „kleine Apokalypse“
bezeichnete Prophezeiung des Markusevangeliums steht
im Zusammenhang mit dem Leidens- und Erleuchtungsweg
von Jesus Chrisus. Im Zentrum steht dabei die
definitive Trennung von wahren und unwahren,
falschen Nachfolgern Jesu Christu nach seiner
Auffahrt ins Paradies. So heißt es in Mk13, 14-23:
14 Wenn ihr aber sehen werdet den Greuel der
Verwüstung (von dem der Prophet Daniel gesagt hat),
daß er steht, wo er nicht soll (wer es liest, der
merke darauf!), alsdann, wer in Judäa ist, der
fliehe auf die Berge;15 und wer auf dem Dache ist,
der steige nicht hernieder ins Haus und komme nicht
hinein, etwas zu holen aus seinem Hause; 16 und wer
auf dem Felde ist, der wende sich nicht um, seine
Kleider zu holen. 17 Weh aber den Schwangeren und
Säugerinnen zu der Zeit! 18 Bittet aber, daß eure
Flucht nicht geschehe im Winter. 19 Denn in diesen
Tagen werden solche Trübsale sein, wie sie nie
gewesen sind bisher, vom Anfang der Kreatur, die
Gott geschaffen hat, und wie auch nicht werden wird.
20 Und so der HERR diese Tage nicht verkürzt hätte,
würde kein Mensch selig: aber um der Auserwählten
willen, die er auserwählt hat, hat er auch diese
Tage verkürzt.
21 Wenn nun jemand zu der Zeit wird zu euch sagen:
Siehe, hier ist Christus! siehe, da ist er! so
glaubet nicht. 22 Denn es werden sich erheben
falsche Christi und falsche Propheten, die Zeichen
und Wunder tun, daß sie auch die Auserwählten
verführen, so es möglich wäre. 23 Ihr aber sehet
euch vor! Siehe, ich habe es euch alles zuvor
gesagt.
Widerstand gegen das
römische Reich: Die Offenbarung des Johannes
Und dennoch bleibt dies im
neuen Testament nicht der einzige Hinweis auf eine
Apokalypse, denn die Offenbarung des Johannes gilt
als das letzte prophetische Buch im neuen Testament
– unter diesem Buch wird heute allgemein das
verstanden, was christlich-religiös als Apokalypse
bezeichnet wird. Johannes Buch orientiert sich
deutlich an den alttestamentarischen Vorstellungen
des Weltuntergangs. Bezug nimmt Johannes dabei auf
sieben bedrängte, christliche Gemeinden im
kleinasiatischen Teil des Römischen Reiches, denen
er in Briefform dazu rät, den Widerstand gegen den
römischen Kult aufrecht zu erhalten und auf Christus
zu warten, der als Endrichter auf die Erde
niederfährt und den Endkampf zu einem Ende bringt.
Hier ist wieder die deutliche Anlehnung an die
alttestamentarischen Motive zu erkennen. In der
Offenbarung des Johannes heißt es unter anderem in
der brieflichen Einleitung 1,4-8:
4 Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz
Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der
ist und der war und der kommt, und von den sieben
Geistern vor seinem Thron
5 und von Jesus Christus; er ist der treue Zeuge,
der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die
Könige der Erde. Er liebt uns und hat uns von
unseren Sünden erlöst durch sein Blut;
6 er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern
vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und
die Macht in alle Ewigkeit. Amen.
7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge
wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben;
und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern
und klagen. Ja, amen.
8 Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott,
der Herr, der ist und der war und der kommt, der
Herrscher über die ganze Schöpfung.
Die Apokalyptik – ein weites Feld
Die Befassung mit apokalyptischen Gedanken,
bezeichnet als Apokalyptik, ist im gesamten
religiösen Bereich, auch außerhalb des Christentums,
ein umfangreicher Bereich der Theologie und wurde in
der langen Historie dieser Wissenschaft immer wieder
aufgegriffen – Untergangsprophezeiungen und die
Rettung der Welt durch einen wie auch immer
gearteten Gott ist für die Religionen ein wichtiger
Bestandteil ihrer Niederschriften, so auch für das
Christentum. So bleibt die Thematik ein weites Feld,
in der Bibel lassen sich unzählige Hinweise, die in
eine apokalyptische Richtung gedeutet werden können,
finden – im Zentrum steht jedoch die Erlösung von
Unheil und Unrecht.
Ob ein wie auch immer gearteter, wenn überhaupt
stattfindender Weltuntergang dann einen
tatsächlichen religiösen Bezug hat, kann nur offen
bleiben – eine mögliche Deutung beispielsweise bei
der Weltzerstörung durch eine Naturkatastrophe läge
jedoch durchaus auf der Hand: Der Mensch hat sich
mit seinem Unheil selbst zerstört, Naturkatastrophen
provoziert und Gott setzt dem mit dem Untergang im
ursprünglichen Sinne ein apokalyptisches Ende – ob
diese oder andere Deutungen jedoch überzeugend sind,
bleibt dem Leser überlassen. Doch es bleibt: Der
Weltuntergang ist ein weites Feld – auch im
Christentum.
Ein Artikel von Weltuntergang.cc © 2011
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